Warum der Ablauf so ist. Jeder Schritt hat einen Grund, und wenn du ihn kennst, kannst du improvisieren.
Blanchieren: Rohe Knochen geben beim ersten Aufkochen viel Blut und Eiweiß als grauen Schaum ab. Das kochst du bewusst separat aus und schüttest es weg, so startet die eigentliche Brühe sauber. Dasselbe Ergebnis erreichst du nur mit sehr langem Abschäumen. Viele vietnamesische Köche blanchieren 5 bis 10 Minuten, manche länger; 10 bis 15 Minuten sind hier die sichere Variante.
Rösten: Zwiebel und Ingwer brauchen Kontakt mit starker Hitze, bis die Schnittflächen dunkel, stellenweise schwarz sind. Dabei karamellisieren die Zucker, und es entsteht die leicht rauchige Süße, die Phở von einer einfachen Rindersuppe unterscheidet. Ein Teil der verkohlten Haut wird später abgespült, nicht der gesamte Geschmack. Die Gewürze röstest du kurz, weil die ätherischen Öle erst mit Wärme richtig aufgehen, aber bei zu viel Hitze bitter werden.
Simmern statt Kochen: Die Oberfläche soll nur leicht zittern, mit gelegentlichen kleinen Bläschen, grob bei 90 bis 95 °C. Sprudelndes Kochen wirbelt Fett und Eiweißflocken in die Flüssigkeit, die sich dann nie mehr setzen. Der Deckel bleibt halb offen, damit nicht zu viel Wasser verdampft, aber auch nicht verloren geht. Fällt der Pegel stark, gieß heißes Wasser nach, kein kaltes.
Abschmecken am Ende: Weil Wasser verdampft und die Brühe konzentriert, wäre jedes frühe Würzen ein Ratespiel. Salz und Zucker kommen deshalb zum Schluss, die Fischsauce in Etappen. Ein Löffel Fischsauce macht oft den Unterschied zwischen „gut“ und „sitzt“; er sollte aber nicht nach Fisch schmecken, sondern nach Tiefe.
Entfetten: Wenn du Zeit hast, stell die Brühe über Nacht kalt. Das Fett sammelt sich oben als feste Schicht und lässt sich in einem Stück abheben. Du bekommst genau die Menge zurück, die du in die Schüssel willst, und die Brühe ist klarer.